New York. Die Veröffentlichung von Beweismaterial im Zusammenhang mit dem Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein sorgt seit Monaten für Aufsehen. Dabei rücken auch bislang wenig beachtete osteuropäische Verbindungen in den Fokus – von der Herkunft des britischen Medienmagnaten Robert Maxwell in der ehemaligen Tschechoslowakei, dessen Tochter Ghislaine als langjährige Vertraute Epsteins bereits verurteilt wurde, bis zu Epsteins engen Kontakten nach Belarus.
Maxwells Wurzeln
Robert Maxwell, mit bürgerlichem Namen Abraham Leib Hoch, wurde 1923 in Slatinské Doly in der damaligen Karpatenukraine geboren, die zu jener Zeit Teil der Tschechoslowakei war. Das Gebiet gehört heute als Transkarpatien zur Ukraine. Aufgewachsen in einer jüdisch-orthodoxen Familie, lernte er neben seiner Muttersprache Jiddisch auch Hebräisch, in der Schule kam Tschechisch hinzu. Für kurze Zeit studierte er in Bratislava.
Nach der ungarischen Besetzung der Karpatenukraine floh Maxwell zunächst nach Budapest. Später schloss er sich den alliierten Streitkräften an und kämpfte im Zweiten Weltkrieg auf britischer Seite. Für seine Tapferkeit wurde ihm das Military Cross verliehen, überreicht vom britischen General Bernard Law Montgomery.
Nach dem Krieg baute Maxwell ein internationales Medienimperium auf und zählte zeitweise zu den einflussreichsten Verlegern Großbritanniens. Zugleich hielten sich über Jahrzehnte Spekulationen, er habe für den israelischen Geheimdienst Mossad gearbeite. Offizielle Beweise dafür wurden nie vorgelegt.
Anfang Februar 2026 schrieb die britische Zeitung Telegraph unter Berufung auf Quellen aus amerikanischen Geheimdiensten, Maxwell habe Jeffrey Epstein in die Welt der Spionage eingeführt. Seine Tochter Ghislaine Maxwell wurde später zu einer der engsten Vertrauten des Finanziers, dessen Kontakte zu Geheimdiensten und politischen Eliten bis heute nicht vollständig aufgeklärt sind.

Robert Maxwell starb 1991 unter ungeklärten Umständen. Er fiel von seiner Yacht vor den Kanarischen Inseln ins Meer. Als wahrscheinliche Ursache gilt ein Herzinfarkt.
Er erhielt in Israel ein Begräbnis, das zeitgenössischen Berichten zufolge einem Staatsakt gleichkam. An der Trauerfeier nahmen unter anderem der damalige Premierminister Yitzhak Shamir, Präsident Chaim Herzog sowie zahlreiche Politiker und Würdenträger teil. Außerdem waren mindestens sechs amtierende und ehemalige Leiter israelischer Geheimdienste anwesend.
Damit wird eine osteuropäische Verbindung im Umfeld Epsteins bereits früh sichtbar – und sie tritt Jahrzehnte später erneut hervor.
Verbindung nach Belarus
Jeffrey Epsteins Eltern, Paula Stolofská und Seymour George Epstein, wurden gegen Ende des Ersten Weltkriegs in New York geboren. Sein Vater gehörte bereits der zweiten Einwanderergeneration an. Epsteins Großvater Julius stammte aus einer jüdischen Familie aus der Grenzregion zwischen Polen und Weißrussland.
Während Epsteins Haft entdeckten Ermittler in seinem Safe neben Bargeld auch einen mutmaßlich gefälschten österreichischen Pass mit seinem Foto, der auf einen anderen Namen ausgestellt war. Das Dokument deutet auf ein weit verzweigtes internationales Netzwerk hin, das auch Europa einschloss. Seine Anwälte argumentierten später, das Dokument habe als Vorsichtsmaßnahme gedient, da Epstein als wohlhabender Jude bei Reisen – insbesondere in den Nahen Osten – ein mögliches Entführungsziel gewesen sei. Ob der Pass tatsächlich verwendet wurde, ist unklar; österreichische Behörden konnten seine Existenz bislang nicht bestätigen.
Nach Epsteins Tod rückte seine langjährige Partnerin Karyna Shuliak ins Blickfeld. Wie der russischsprachige Dienst der BBC berichtet, bedachte er die aus Belarus stammende Zahnärztin in seinem zwei Tage zuvor unterzeichneten Testament mit einem erheblichen Teil seines Vermögens.
Den veröffentlichten Dokumenten zufolge waren für sie rund 100 Millionen US-Dollar vorgesehen, darunter eine lebenslange Rente über 50 Millionen. Zudem sollte sie zentrale Teile seines Immobilienbesitzes erhalten – etwa die Privatinseln Little St. James und Great St. James auf den Amerikanischen Jungferninseln, die im Zentrum zahlreicher Missbrauchsvorwürfe gegen Epstein standen, sowie eine Ranch in New Mexico und Wohnungen in Paris und New York.
Auch wertvoller Schmuck war für sie bestimmt: Laut Testament plante Epstein, ihr einen Diamantring mit etwa 33 Karat zu schenken, und zog nach eigenen Angaben sogar eine Heirat in Betracht.
Shuliak gehörte damit zu den wichtigsten Begünstigten eines Nachlasses, der zum Zeitpunkt von Epsteins Tod auf mehrere hundert Millionen Dollar geschätzt wurde. Sie lebte laut amerikanischen Medien zuletzt in New York. Ob sie das Vermögen jemals vollständig erben wird, ist jedoch unklar.
Vor diesem Hintergrund erscheint auch ein weiteres Detail bemerkenswert: Bereits 2016 beantragte Epstein ein Visum für Belarus. Als Reisegrund gab er an, in ein dortiges Unternehmen investieren zu wollen („looking to invest in a business“). Ob das Visum erteilt wurde und ob er tatsächlich in das Land reiste, ist nicht bekannt.
Ende Januar veröffentlichte das US-Justizministerium mehr als drei Millionen Seiten aus den Ermittlungsakten zum Fall Epstein, darunter etwa 2.000 Videos und rund 180.000 Fotos – Dokumente, die immer neue internationale Verbindungen sichtbar machen.