Wien. "Teuerung, Krieg, Zuwanderung - das alles macht den jungen Österreichern große Sorgen. Und eine gewaltige Mehrheit von ihnen sagt klar: Es fehlt uns das Vertrauen in die Politik, dass diese Probleme gelöst werden", kommentiert Bernhard Heinzlmaier, Sozialwissenschaftler und Vorstand des Meinungsforschungsinstituts tfactory, die neuen Studien-Ergebnisse, die Statement vorliegen. Waren in den vergangenen Jahren noch zahlreiche junge Menschen hochmotiviert sich etwa in der Klimapolitik zu engagieren, sind sie heute vor allem eines: von der Politik enttäuscht.
Die Daten der Meinungsforscher sind recht eindeutig, und die Ergebnisse der Befragungen müssten die Parteispitzen der österreichischen Fraktionen alarmieren: Fast eine ganz Generation hat das Vertrauen in die Arbeit der Politiker verloren. So sagen 73,8 Prozent der 16- bis 29-jährigen Österreicher (1.000 Befragte, Daten gerundet), dass sie das Vertrauen in die Politik verloren hätten.

Nur noch 22,7 Prozent der Befragten sehen das anders: Sie haben noch nicht das Vertrauen in die Politik verloren. Die Mädchen und jungen Frauen dürften in Österreich von den handelnden Politikern gewaltig enttäuscht worden sein: Mit 79,8 Prozent ist diese Gruppe am meisten mit der Politik der Parteien unzufrieden.
Die von tfactory befragten Personen mit Migrationshintergrund haben über Österreichs Politik eine negativere Meinung als jene ohne Migrationshintergrund: Acht von zehn in Österreich lebende Zuwanderer sagen, dass sie kein Vertrauen in die Politik hätten, bei den hier geborenen jungen Österreichern sehen das 71,1 Prozent so.
Dass das Vertrauen in die Politik im Keller ist, wird somit von der neuen Studie von tfactory bestätigt - es dürfte sich eine weitere negative Entwicklung verfestigen, wenn die neuen Daten mit dem Demokratie Monitor der SORA-Umfrage aus dem Jahr 2021 verglichen werden: Ende 2021 waren demnach 58 Prozent der Ansicht, dass das politische System weniger oder gar nicht gut funktioniert - im Jahr 2018 hatten nur 33 Prozent diese negative Meinung von Österreichs Politik. Dieser Negativ-Trend in einer Spirale nach unten spricht nicht für die Fraktionen und ihr Führungspersonal.
Die größte Sorge der Jungen: Dass alles noch teurer wird
Mit dem Ergebnis, dass nur noch 22,7 Prozent der jungen Österreicher heute Vertrauen in die Politik haben, liegt Österreich zudem im EU-Vergleich deutlich unter dem Durchschnitt von 42,6 Prozent. Die nordischen Länder (Norwegen und Finnland) schnitten bei einem entsprechenden OECD-Report 2022 verhältnismäßig gut ab: Die Bevölkerung dort hat ein relativ hohes Vertrauen in die Politik, die Werte liegen nämlich jenseits der 60 Prozent Zustimmung.
Das Forschungsinstitut tfactory fragte auch nach den Sorgen und Ängsten, die aktuell die jungen Österreicher am meisten belasten - das Ergebnis war eindeutig: Die größte Sorge ist, wie kommen sie bei der extrem starken Teuerung mit ihrem Einkommen durch einen Monat? Die derzeit von der Bundesregierung kommunizierte "Preisbremse" wird bekanntlich wenig dazu beitragen, dass die Angst vor persönlichen finanziellen Problemen schwindet: Die Preise bei Grundnahrungsmitteln wie 125 Gramm Butter, einem Kilo Mehl oder einem Liter Milch sollen um nur sechs bis acht Cent sinken, und das erst ab 1. Juli. So weit können junge Menschen rechnen, dass sie damit von der Politik nicht unterstützt werden.